Es passiert jedes Jahr aufs Neue. Zum Ende der Sommerferien, wenn wir die letzten Schulsachen besorgen, stehen sie da: Die Schokoweihnachtsmänner.

Anscheinend ist das Ende der Sommerferien für die Industrie das Zeichen dafür, dass wir uns Weihnachten nähern. Kaum sind die Angebote rund um den Schulstart verflogen, wird das Sortiment ausgetauscht. Obwohl wir noch mitten im Sommer sind.

Während wir also nach den Sommerferien versuchen, wieder in den Alltag zurückzukehren, reicht dieser kurze Blick ins Regal schon aus, damit die ersten Gedanken an all das kommen, was erst zum Ende des Jahres ansteht.

Ich habe drei Kinder und arbeite in der Schule. Das bedeutet, allein an Weihnachtsfeiern und Adventsbasaren kommen da mehrere Termine zusammen, die alle irgendwie in denselben vier Wochen untergebracht werden wollen. Dazu kommt alles andere, was in dieser Zeit eben auch noch läuft, und zwar täglich. Und irgendwann Mitte November fängt dieser zweite Kalender im Kopf an zu laufen, den keiner sieht und der trotzdem den ganzen Tag bestimmt.

Die Weihnachtszeit mit Kindern ist deshalb für viele Mamas nicht unbedingt die Zeit, die sich harmonisch anfühlt, sondern die Zeit, in der sie am meisten organisieren. Und in diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum dieser Druck jedes Jahr ein Stück größer wird, was er mit dir und deinem Kind macht und wie du da wieder rauskommen kannst.

Inhalte im Überblick


Als ich noch ein Kind war, gab es einen Adventskalender, den Nikolausstiefel und irgendwann zwischendurch einen Nachmittag, an dem gebacken wurde. Ungefähr so sah unser Advent aus. Heute steht bei vielen Familien wesentlich mehr auf dem Plan. Denn zum Kalender kommen die Kita- und Schulfeiern, vielleicht ein Weihnachtsbasar, der Weihnachtsmarkt, bei dem alle immer sagen, da müssen wir unbedingt noch hin, die Frage, wo und wie und mit wem gefeiert wird, und seit einigen Jahren eben auch noch der berühmte Wichtel, der jede Nacht etwas anstellen soll.

Und dann entsteht der erste Druck: Alles, was du einmal einführst, wird im nächsten Jahr wieder erwartet. Dein Kind ist dabei überhaupt nicht fordernd, sondern erlebt Weihnachten schlicht über Wiedererkennung. Und ein Kind, bei dem letztes Jahr ein Wichtel eingezogen ist, fragt am ersten Dezember völlig selbstverständlich nach dem Wichtel. Für dich aber ist das ein weiterer Posten auf einer Liste, die dadurch nie kürzer wird, sondern nur länger.

Noch mehr Druck entsteht oft dann auch noch von außen.

Ich arbeite in einer Vorschulklasse und erlebe es jedes Jahr im Dezember aufs Neue. Da erzählt ein Kind im Morgenkreis, dass sein Wichtel nachts die ganze Zahnpasta im Waschbecken verteilt hat, und die anderen Kinder sitzen da mit großen Augen und hören zu, und du kannst richtig zusehen, wie bei jedem Einzelnen derselbe Gedanke ankommt: Das will ich auch. Am Nachmittag geht das Kind nach Hause und fragt Mama oder Papa nach dem Wichtel.

Dazu kommt der Abend, an dem du eigentlich nur kurz aufs Handy schaust und dann durch Wichtelstreiche, drei Sorten Plätzchen und Wohnzimmer scrollst, in denen offenbar nie jemand Legosteine liegen lässt. Und irgendwann vergleichst du dich ganz automatisch mit anderen Mamas und hast das Gefühl, dass es außer dir offenbar alle hinbekommen.

Was dieser Dauerdruck mit dir macht

Wenn zusätzlich zu deinem normalen Alltag all die weiteren Aufgaben dazukommen, die der Dezember mit sich bringt, bleiben kaum noch Pausen, in denen sich dein Nervensystem erholen kann. Dein Körper steht dadurch unter Daueranspannung.

Und wenn dann noch dieses Berieseln von außen dazukommt, also die anderen Mamas, die Bilder auf dem Handy und all das, was du auch noch machen solltest, damit dein Kind die perfekte Weihnachtszeit erlebt, kann es sehr schnell passieren, dass du deinem Kind nicht ganz so freundlich gegenübertrittst, obwohl nur das Glas Wasser umgekippt ist. Kleinigkeiten bringen dich schnell aus der Fassung und du reagierst so, wie du es eigentlich nie wolltest. Dabei hast du dir fest vorgenommen, es anders zu machen, als deine eigene Mutter es damals gemacht hat.

Abends liegst du dann im Bett, endlich Ruhe, und trotzdem geht das Karussell weiter. Du gehst durch, was morgen dran ist, was du vergessen hast, und dann macht sich auch noch das schlechte Gewissen breit, weil du mal wieder lauter geworden bist.

Und das hat nichts mit mangelnder Geduld zu tun, sondern damit, dass dein Nervensystem seit Wochen nicht runterkommt. Je länger du in diesem Dauerfunktionieren bist, desto geringer wird deine Geduld. Und am Ende der Weihnachtszeit bist du einfach nur erschöpft. Mehr dazu, was in diesen Momenten wirklich passiert und was hilft, findest du in meinem Artikel „Warum dein Kind dich triggert“.

Warum “gönn dir doch mal eine Pause” gerade überhaupt nicht hilft

Wenn du jemandem erzählst, wie voll dein Dezember ist, bekommst du bestimmt denselben Rat, nämlich dass du dir Zeit für dich nehmen sollst. „Gönn dir doch mal eine Pause“.  Und innerlich fragst du dich, wann du das noch machen sollst.

Jedes Jahr nimmst du dir aufs Neue vor, früher mit allem anzufangen, damit es am Ende entspannter wird. Und dann? Du fängst im Oktober an, schreibst dir eine Liste, auf der wirklich alles steht und hast trotzdem genauso viel zu erledigen, nur denkst du bereits zwei Monate vorher daran. Und so trägst du die ganzen Aufgaben einfach noch länger mit dir herum.

Irgendwann nimmst du dir in all dem Trubel doch diese Pause. Einen Moment nur für dich. So zumindest der Plan. Die Kinder schlafen, du machst dir einen Tee, setzt dich aufs Sofa, und keine zwei Minuten später bist du in Gedanken wieder bei dem Adventskalender, der noch nicht fertig ist, beim Plätzchenbacken in der Kita, für das du zugesagt hast, den Teig vorzubereiten, und beim Basar, der morgen stattfindet. Du sitzt also da mit deinem Tee, gönnst dir deine „Pause“ und am Ende ist es gar keine. Obwohl du auf dem Sofa sitzt, bist du im Kopf weiter bei all den Aufgaben, die noch erledigt werden müssen.

Dabei weißt du längst, was dir eigentlich helfen würde. Du hast auf Pinterest lauter Tipps und einfache Ideen für eine entspannte Adventszeit gespeichert, du hast die Reels gesehen, in denen dir jemand in dreißig Sekunden erklärt, wie du gelassen bleibst, und im Auto lief ein Podcast über Achtsamkeit im Familienalltag. Am Ende hast du hundert Tipps im Hinterkopf und in dem Moment, in dem du sie brauchst, fällt dir keiner ein.

Weihnachten mit Kindern

Transparenzhinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI zur Veranschaulichung erstellt.

Wie du wieder rauskommst

Auf der einen Seite weißt du längst, dass du eine Pause brauchst. Auf der anderen Seite funktioniert sie bei dir aber nicht. Doch warum ist das so?

Du brauchst nicht nur eine Pause für deinen Körper, sondern auch eine für deinen Kopf. Eine für all die Gedanken, in der dein Kopf einmal aufhört, an die nächsten Aufgaben zu denken.

Eine kürzere Liste kann dabei der erste Schritt sein. Aber kürzer wird sie nicht, weil du noch besser planst, sondern weil du bewusst Dinge rausnimmst. Dieser Wichtel muss nämlich nicht bei euch einziehen, nur weil du überall Wichtelstreiche siehst. Und es müssen auch nicht drei Sorten Plätzchen sein. Das Rezept der letzten Jahre reicht vollkommen aus.

Ich weiß, dass sich das erst einmal anfühlt, als würdest du deinem Kind etwas wegnehmen.  Aber alles, was du neu dazu nimmst, kostet dich Kraft. Dein Kind erinnert sich später nicht daran, wie viel du gemacht hast, sondern an das Gefühl, wie ihr die Weihnachtszeit erlebt habt. Und da zählt die gemeinsame Zeit und eine entspannte, zufriedene Mama viel mehr als ein volles Weihnachtsprogramm.

Schau also am besten ganz bewusst hin, ob das, was du dir vornimmst, auch wirklich nötig ist und vor allem, wo du es dir einfach machen kannst. Muss es wirklich das selbstgemachte Lebkuchenhäuschen sein? Oder reichen auch kleine Butterkeks-Häuser? Muss es wirklich der selbstgebastelte Kalender mit 24 Kleinigkeiten sein, die im neuen Jahr bereits wieder vergessen sind? Wie wäre es stattdessen mit einem Puzzle, das ihr jeden Abend gemeinsam ein Stück weiter legt? Oder 24 Geschichten, von denen du jeden Abend eine vorliest? Nur weil es einfach ist, ist es nicht weniger wertvoll. In einem weiteren Artikel habe ich dir dazu 5 einfache Ideen für einen Adventskalender zusammengestellt.

Frag dich einfach bei jeder Sache, ob du dich wirklich darauf freust oder ob du sie nur hinter dich bringen willst.

Wie aus einer Pause eine echte Pause wird

Kommen wir nochmal zurück zu diesen Pausen, die du dir vornimmst und die am Ende keine sind.

Denn auch mit einer kürzeren Liste bleibt der Dezember voller als jeder andere Monat. Dein Alltag läuft weiter, zusätzlich kommen aber Termine in der Kita und Schule dazu. Deshalb brauchst du diese Pausen jetzt sogar mehr als sonst, nur müssen sie eben auch wirken.

Wenn du dich einfach nur hinsetzt und versuchst, dich zu entspannen, holt dein Kopf sofort wieder das hervor, was noch offen ist, und das ist nun mal deine Liste. Dein Kopf braucht in dem Moment etwas, worauf er sich richten kann. Und wenn du ihm nichts gibst, dann nimmt er sich die Aufgaben.

Folgende Situation kennst du bestimmt: Du sitzt abends auf dem Sofa, das Handy in der Hand, und scrollst durch Instagram oder Pinterest. Dein Kopf schaltet in diesem Moment ab, weil du mit etwas anderem beschäftigt bist. Das Problem daran ist, dass du danach nicht erholt bist. Oft schleicht sich sogar noch das schlechte Gewissen ein, weil du die Zeit “sinnlos” verbracht hast. Währenddessen konntest du aber tatsächlich abschalten.

Was kannst du nun tun?

Es braucht etwas, das deine Aufmerksamkeit für einen Moment woanders hinlenkt, und schon kommt dein Kopf tatsächlich runter. Aber etwas, was sich nicht nur währenddessen gut anfühlt, sondern auch danach.

Genau deshalb wirken fünf Minuten mit einem klaren, kleinen Impuls oft mehr als eine Stunde auf dem Sofa. Denn wenn du zwischendurch wirklich einmal runterkommst, dann hast du hinterher mehr Energie, dein Kopf ist klarer und du gehst an das, was noch ansteht, deutlich gelassener heran.

Pause für Mama Adventskalender

Transparenzhinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI zur Veranschaulichung erstellt.

Solange du dir allerdings selbst überlegen musst, was dir heute guttun würde, wie lange du Zeit hast und womit du anfängst, ist diese Pause nur der nächste Punkt, den du organisieren musst. Es hilft dir also, wenn diese Impulse schon fertig auf dich warten.

Nun weiß ich aber auch als dreifache Mama selbst, wie schwer es ist, in so eine Pause überhaupt hineinzukommen. Du darfst es dir an dieser Stelle aber auch einfach machen und mich das für dich übernehmen lassen. Denn ich begleite dich durch diesen Advent, mit 24 Türchen, hinter denen jeweils fünf bis zehn Minuten warten, die nur dir gehören. Also 24 kleine Verabredungen mit dir selbst. Du bekommst jeden Morgen eine E-Mail, die dich zu deinem Türchen führt, und dahinter wartet ein fertiger Impuls. Du musst nichts vorbereiten, nichts besorgen und dir nichts überlegen, sondern einfach nur deinen Moment genießen und für ein paar Minuten abschalten.

Adventskalender für Mama

Fazit: Mein Advent darf leicht sein

Der Druck im Advent und Weihnachtsstress mit Kindern wächst jedes Jahr immer mehr. Es kommt einfach immer etwas dazu, der Wichtel, die Feiern, die Basare. Dabei darfst du ganz bewusst Dinge streichen.

Dein Kind erinnert sich später nicht daran, womit die Säckchen gefüllt waren, sondern an das Gefühl, mit dem ihr durch diese Wochen gegangen seid.

Und damit dir das gelingt, darfst du dir als Mama Pausen nehmen. Solche, in denen du nicht an die nächste Aufgabe denkst, sondern für ein paar Minuten einfach nur bei dir bist, und die schon fertig auf dich warten und nichts weiter von dir verlangen als die Minuten, die du gerade hast.

Du darfst dir in diesem Advent mehr Gelassenheit und kleine Höhlenmomente schenken.

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